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Tröglitz – das neue Hoyerswerda?!

Tröglitz - das neue Hoyerswerda?!

Tröglitz – das neue Hoyerswerda?!

Die Ortschaft Tröglitz im Burgenlandkreis ist derzeit in aller Munde. Die kaum 3.000 Einwohner stehen seit Wochen im internationalen Medienfokus. Nachdem dort zunächst der Bürgermeister seinen Posten niederlegte, weil „Besorgte Bürger“ direkt vor seinem Wohnhaus gegen die Unterbringung von Aslybewerbern damonstrieren wollten und der Staat ihn nicht schützen wollte, wurde ebenda vor wenigen Tagen die bezugsfertige Asylbewerberunterkunft zum Ziel von Brandstiftern. Die Bewohner der unteren vermieteten Wohnungen konnten sich unverletzt in Sicherheit bringen. Von nun an wird Tröglitz in einem Atemzug genannt mit Solingen, Mölln, Rostock und … Hoyerswerda.

Hoyerswerda. Immer wieder, wenn rechtsradikale Umtriebe die Bunderrepublik heimsuchen, ist Hoyerswerda als Beispiel ganz vorn dabei. Und nun also auch Tröglitz. Doch warum ausgerechnet Tröglitz? Warum werden nicht die Namen anderer Städte genannt, in denen gefährliche Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte stattgefunden haben? Wie sieht es denn aus mit Lübeck (1996)? Okay, ist alt und viel zu lange her. Gab ja auch „nur“ 10 Todesopfer, verschlampte Polizeiermittlungen etc. Mal was Aktuelleres: In Duisburg (Nordrhein-Westfahlen) wurde Feuer im Keller eines Hauses entzündet, in dem Menschen aus Bulgarien und Rumänien untergebracht sind, 17 Verletzte. In Germering (Bayern) brannte am 8. Januar 2014 die Asylbewerberunterkunft, 60 Menschen waren in Gefahr. Oder am 11. Dezember 2014 brannte wieder in Bayern eine geplante Asylbewerberunterkunft in Vorra. Oder auch am 9. Februar brannte eine geplante Asylbewerberunterkunft in Escheburg bei Lübeck (Schleswig-Holstein). Warum sind diese Städte nicht im Pressefokus? Was ist in Tröglitz schlimmer, als anderswo? Dass viele Menschen in Tröglitz die Asylbewerber nicht willkommen heißen, ist in den vorgenannten anderen Orten keineswegs anders. Tröglitz ist eine kleine Gemeinde ohne Lobby, dazu noch im Osten, wo ja eh Alle Rechtsradikale sind. Dazu kam eben die Geschichte mit dem Rücktritt des Bürgermeisters, der negative Klang des Stadtnamens war also schon da. Und nun stürzt sich die mediale Meute eben auf Tröglitz und übersieht gekonnt, dass Gewalt und Ablehnung Ausländern und Asylbewerbern gegenüber in ganz Deutschland verbreitet ist.

So ähnlich ging es 1991 auch Hoyerswerda. Hier haben die volksfestartigen Zusammenrottungen vor den Unterkünften der Gastarbeiter und später vor dem Asylbewerberheim für tägliche Live-Berichte von der „Ostfront“ gesorgt. Eine überforderte und personell unterbesetzte Polizei machte zwar mehr als mit den damaligen Mitteln möglich war, jedoch viel weniger als in der Lage erforderlich gewesen wäre. Die Politik versagte, die meisten Bürger hielten sich raus – hatten andere Probleme – 1991 setzte die große Massenentlassungswelle in Schwarze Pumpe und nahezu alle anderen Betrieben zeitgleich ein. Zehntausende Hoyerswerdaer standen ohne jegliche Perspektive vor dem Aus. So kamen zu den Rechtsextremen eben auch die vielen Frustrierten, die Beifallklatscher, die Gelangweilten, die sich anch Action sehnten dazu. Das gefährliche Gebräu zündete, sorgte für üble Stimmung, Bilder und die unfähige Politik für den Weg des geringsten Widerstandes – die Asylbewerber mussten weichen, die Gastarbeiter wurden meist entgegen ihren Verträgen vorzeitig abgeschoben. Und Hoyerswerda hatte sein Stigma weg. Doch warum sind die Orte vieler anderer und weitaus brutalerer Anschläge nicht mehr in der Öffentlichkeit präsent? Mahmud Azhar in Ost-Berlin? Andrzej Fratczak in Lübbenau? Amadeu Antonio Kiowa in Eberswalde? Nihad Yusufoglu in Hachenburg? Jorge João Gomondai in Dresden? Agostinho Comboio in Friedrichshafen? Das sind nur wenige Beispiele für Todesopfer brutaler Gewaltorgien durch Rechtsextreme vor Hoyerswerda im September 1991. Warum sind diese weitaus schlimmeren Exzesse heute vergessen, während Hoyerswerda in jeder Aufzählung rechtsextremer Gewalt dabei ist? Warum ist nun Tröglitz mit dabei?

Ganz einfach, weil das leichte Opfer sind. Städte, die überregionl meist nur negativ in der Presse auftreten. Während Dresden, Lübeck, München und und und und eben viel öfter medial vorkommen, wo Negatives auf die Dauer vom Strm der Nachrichten berdeckt wird. Hingegen reicht die Nennung Hoyerswerda – Rostock- Solingen aus, um nicht nur negativen Klang zu erzeugen, sondern auch klar zu benennen, woher man die Ortsnamen in diesem Zusammenhang kennt. Und jetzt eben auch Tröglitz, das neue Hoyerswerda!

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