«

»

Debattenbeitrag: Von Goslar lernen…

Glaubt man der öffentlichen Diskussion, haben wir zwei große Problemfelder in Deutschland. Zum Einen die steigende Zahl an Asylbewerbern, auf der anderen Seiten eine sinkende Bevölkerungszahl. Das passt doch eigentlich ganz gut zusammen – oder nicht? Bricht man diese deutschlandweiten Probleme ganz konkret auf Hoyerswerda herunter, sieht die Sache doch noch viel eindeutiger aus.

Hoyerswerda hat seit Mitte der Achtziger Jahre stetig an Einwohnern verloren. Trotz massiver Eingemeindungen konnte dieser Trend nicht gestoppt werden. Der Höchststand mit 71.054 Einwohnern wurde zum 31.12.1981 erreicht. Allein bis zur Deutschen Wiedervereinigung am 03.10.1990 kamen bereits mehr als 5.000 Einwohner abhanden. Aktuell hat die Kernstadt Hoyerswerda ohne Eingemeindungen Stand 30.09.2014 nur noch 29.722 Einwohner, knapp 60% Bevölkerungsrückgang innerhalb von 33 Jahren – das ist hart. Doch wir kann man dieser Negativentwicklung Einhalt bieten?

Die Stadt Goslar macht es vor. Dort bittet der CDU-Oberbürgermeister Oliver Junk offensiv darum, dass seine Stadt mehr Asylbewerber zugewiesen bekommt, als nach dem verpflichtenden Aufnahmeschlüssel vorgesehen. Denn:

Goslar hat in zehn Jahren 4000 Einwohner verloren. Mein Fazit: Wir überleben nur durch Zuwanderung. Also: Migration tut gut.

Die Stadt Goslar hat samt Eingemeindungen aktuell 50.125 Einwohner, 1966 waren es ohne Eingemeindungen noch 66.807 Einwohner, aktuell 29.518 Einwohner. Diese Entwicklung kommt uns doch sehr bekannt vor. In dieser Situation hat der Oberbürgermeister erkannt, dass man als Gemeinde der scheinbar zwangsläufigen Negativentwicklung entweder hinterherhecheln kann und immer versuchen muss, die Strukturen den schrumpfenden Bevölkerungszahlen anzupassen oder aber, man geht aktiv gegen die Schrumpfung vor. Für das aktuelle Jahr rechnet Junk mit insgesamt 268 Aslybewerbern und bietet offensiv freie Kapazitäten in leer stehenden Gebäuden an. Aber nicht als Sammelunterkünfte, wie vielfach in anderen Gemeinden, sondern in selbständigen Wohneinheiten.

Das scheint der beste Weg für Integration und Verankerung der Flüchtlinge in der Gesellschaft.

In Hoyerswerda werden derzeit Asylbewerber überwiegend in der Sammelunterkunft der ehemaligen Körperbehindertenschule untergebracht. Diese zentrale Stelle hat eine Kapazität von 120 Personen, in Ausnahmefällen von 140 Personen. Diese Ausnahme scheint nun eingetreten zu sein, das Heim ist voll belegt. Daher wird die dezentrale Unterbringung immer wichtiger. Auch der Bautzner Landrat Michael Harig hat nun erkannt, dass der bisherige Weg der Gemeinschaftsunterkünfte in eine Sackgasse führt.

Und nun kommt Hoyerswerda ins Spiel, die Unterbringungen in Einzelwohnungen ist für Flüchtlingsfamilien ein großer Schritt in der Fremde und doch die beste Chance auf Integration. Voraussetzung ist allerdings, dass nicht mehrere Wohnungen in einem Haus bezogen werden, sondern dass Asylbewerber möglichst breit gestreut in Wohnungen untergebracht werden. Damit ist es zwar schwieriger, diesen soziale Angebote zu unterbreiten, aber sie werden gezwungen sich mit ihrer Umgebung, ihren Nachbarn auseinanderzusetzen und die Regeln, Verhaltensweisen und „Bräuche“ vor Ort zu erleben und zu erlernen.

Aktuell liegt der Anteil der syrischen Asylbewerber in Deutschland bei zirka 20% mit steigender Tendenz. Dass das syrische Schulsystem vor Beginn der blutigen Auseinandersetzungen in Arabien vorbildhaft war mit einer Einschulungsquote von fast 100% und dabei sogar 98% bei den Mädchen sowie ein ausgeprägtes Universitätssystem mit bis zu 200.000 Studierenden jährlich (auch hier sind Frauen wieder zu zirka 50% beteiligt!), sollten wir uns in der Region zu Nutze machen! Die meisten ortsansässigen Firmen suchen händeringend qualifizierte Arbeitskräfte. Die jungen Flüchtlingen können so helfen, den scheinbar ausweglosen demographischen Wandel ein Stück weit auszubremsen und der Stadt die Chance geben, auch einmal proaktiv zu handeln.

Die Kosten für die Unterbringung der Asylbewerber teilen sich im Übrigen der Freistaat Sachsen und der Landkreis Bautzen. Nimmt Hoyerswerda also mehr Aslybewerber als anderen Gemeinden im Landkreis auf, kostet das die Stadt keinen Cent mehr, bringt auf der anderen Seite aber zusätzliche Einnahmen bei Vermietern, Einzelhandel etc.

Schon jetzt hat sich durch das Asylbewerberheim die Einwohnerzahl der Stadt um eben diese 140 Asylbewerber erhöht, zusätzlich sind im Aslybewerberheim auch sechs Lohnsteuerpflichtige Angstellte beschäftigt. Ein kleiner Beitrag für eine Gesundung unserer Stadt. Versuchen wir doch, von Goslar zu lernen und der Schrumpfung unserer Stadt offensiv entgegenzutreten. Die negative Bevölkerungsentwicklung ist kein Urteil, das wir zu akzeptieren haben. Es ist eine Prognose auf der Basis, dass wir nichts tun. Wir können uns dieser Prognose ergeben und tatenlos zuschauen, wie die Stadt mehr und mehr Einwohner verliert. Oder wir können aktiv werden. Die jungen Asylbewerber können ein kleiner Baustein für eine attraktive Zukunft in Hoyerswerda sein. Sie werden unsere Probleme jedoch nicht lösen. Dafür müssen Konzepte für den Zuzug her, Konzepte gegen den Abriss von wertvollem Wohnraum in unserer mittlerweile extrem lebenswerten Stadt!

Schreibe einen Kommentar