Hoyerswerda schrumpft weiter – nur nicht mehr ganz so stark…

Hoyerswerda schrumpft weiter - nur nicht mehr ganz so stark...

Hoyerswerda schrumpft weiter - nur nicht mehr ganz so stark...

Hiobsbotschaften sind die Einwohner der Stadt Hoyerswerda ja eigentlich seit 1990 schon gewohnt. Eine der monatlich wiederkehrenden negativen Botschaften, sind die dann veröffentlichten vorläufigen Einwohnerzahlen, denn die kennen nur eine Richtung: nach unten. Natürlich hat sich dieser Trend auch für das Jahr 2011 nicht geändert. Aber doch ist schon ein neuer Trend zu erkennen…
 
Nun aber erst einmal zu den aktuellen Zahlen. Das Statistische Landesamt in Kamenz hat vor einigen Tagen die vorläufigen Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2011 bekannt gegeben. Für die Stadt Hoyerswerda gibt es dabei 36616. Ein Rückgang um 763 Einwohner, das entspricht zirka 2%. Das ist selbstverständlich alles andere als toll. Und doch ist es wieder ein kleiner Erfolg. Denn, wenn man die Werte der vergangenen Jahre vergleicht, ist trotz des allgemeinen Negativtrends auch Positives erkennbar:
  1. Hoyerswerda verliert absolut gesehen weniger Einwohner als vorher. Im Jahr 1990 verließen satte 3065 Einwohner die Stadt, 1991 noch einmal 2544. Bis 1995 waren es dann nur noch rund 1300 im Jahr. Dann setzte der Abwanderungstrend noch einmal richtig in Gang und bis 2001 verließen durchschnittlich über 2100 Einwohner/Jahr die Stadt. In den folgenden Jahren waren es dann immerhin jährlich über 1000 Einwohner, die Hoyerswerda den Rücken zukehrten. 2009 noch 996, 2010 dann 839 und im vergangenen Jahr eben nur 763 Einwohner.
  2. Hoyerswerda verliert eben auch relativ gesehen immer weniger Einwohner. 1990 waren es noch rund 4,5% der Einwohner, 1991 3,9%. Dann kamen die Jahre 1992-1995 mit durchschnittlich 2,1% weniger Einwohnern. Und von 1996 bis 2007 waren es wieder durchschnittlich 3,5% der Einwohner, die die Stadt verlassen haben (mussten?). 2008 sagten 2,8% Adé, 2009 waren es 2,6%, 2010 dann 2,2%. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 2,1% der Einwohner.

 

Die Einwohnerentwicklung der Stadt Hoyerswerda seit 1982 (Stichtag jeweils der 31.12.)
Die Einwohnerentwicklung der Stadt Hoyerswerda seit 1982 (Stichtag jeweils der 31.12.)

Aber wie kommt das denn? Dafür gibt es enige Gründe:

Natürlich ist das Potential derjenigen, die die Stadt verlassen (wollen oder müssen), immer weiter gesunken. Die jungen Hoyerswerd’schen, der besser gebildeten (mit höheren Verdienstchancen) Hoyerswerdaer hat schon seit einigen Jahren rapide abgenommen. Logischerweise sinkt so auch langsam die Zahl der Wegzüge.

Das beweist der Vergleich der Differenz der Zuzüge-Fortzüge mit der Differenz der Geburten-Sterbefälle. Denn in den 90er-Jahren kamen bis zu 90% des Einwohnerverlustes aus der Differenz der Zuzüge-Fortzüge und 10% aus der Differenz der Geburten-Sterbefälle. Später waren nur noch 80% des Einwohnerschwundes durch die Umzugbilanz zustande gekommen, Tendenz fallend. Im Jahr 2010 machte die Differenz der Geburten-Sterbefälle schon fast 35% aus.

Die Daten habe ich beim Statistischen Landesamt ermittelt und zu dieser Tabelle zusammengefügt. Es gibt in einigen Jahren minimalen Differenzen, also die Differenz Geburten-Sterbefälle und der Zuzüge-Fortzüge gemeinsam müsste normal genau dem Einwohnerverlust entsprechen und dennoch gibt es auch da manchmal Differenzen um wenige Einwohner, in den Jahren 1988 und 1990 gibt es größere Differenzen, die wohl mit DDR-spezifischen Messmethoden einhergehen könnte.

Wie setzt sich Hoyerswerdas Einwohnerverlust zusammen?

  Zuzüge Fortzüge Differenz
Zuzüge-Fortzüge
Geburten Todesfälle Differenz
Geburten-Todesfälle
Einwohnerverlust
gesamt
1986 1759 2841 -1082 1012 494 518 -564
1987 1965 2682 -717 1021 575 446 -278
1988 2439 2563 -124 1040 579 461 415
1989 1998 3938 -1940 988 588 400 -1546
1990 1888 5050 -3162 839 617 222 -3065
1991 1108 3525 -2417 513 640 -127 -2544
1992 1269 2275 -1006 371 607 -236 -1242
1993 1292 2058 -766 326 621 -295 -1061
1994 1248 2276 -1028 312 570 -258 -1286
1995 1329 2818 -1489 326 528 -202 -1691
1996 1041 3206 -2165 329 558 -229 -2394
1997 1073 2838 -1765 323 542 -219 -1983
1998 1108 2958 -1850 320 532 -212 -2061
1999 1097 2845 -1748 344 504 -160 -1908
2000 1158 3025 -1867 340 523 -183 -2046
2001 999 3062 -2063 303 525 -222 -2286
2002 1096 2399 -1303 277 510 -233 -1536
2003 1040 2100 -1060 250 563 -313 -1370
2004 1083 1958 -875 243 485 -242 -1112
2005 952 1952 -1000 217 509 -292 -1292
2006 910 1730 -820 236 463 -227 -1045
2007 798 1775 -977 215 508 -293 -1268
2008 868 1652 -784 236 533 -297 -1080
2009 812 1496 -684 196 508 -312 -993
2010 885 1432 -547 201 493 -292 -839

 Auf der anderen Seite erreicht die Stadt so langsam ihre – ich nenne das jetzt mal so – Schrumpfungsgrenzen. Denn Hoyerswerda ist eben nicht einfach eine Stadt ohne Perspektive, ohne Jobs, ohne junge Menschen. Relativ gesehen mag diese Betrachtung stimmen. Absolut nicht:

Auch, wenn die nackten Zahlen grausam aussehen und so manchem Hoyerswerdaer das Gefühl geben, dass man in einer sterbenden Stadt lebt, Hoyerswerda lebt! Hoyerswerda hat durchaus Zukunft. Die Stadt muss ihre Nische finden, im neu entstehenden Lausitzer Seenland (seit wievielen Jahren reden wir überhaupt darüber, dass das Seenland neu entsteht???), im wieder auflebenden Bergbau (Stichwort: Kupferbergbau bei Spremberg) und auch im Wettkampf um die besten Köpfe bei den Kindern/Jugendlichen (Stichwort: Gymnasien, Konrad-Zuse-Akademie ZUSAK) und natürlich auch bei den Arbeitnehmern (Stichwort: Industriebetriebe wie z.B. YADOS). Es gibt durchaus Hoffnungsschimmer am Horizont, es ist ein leichter Lichtstreif erkennbar.

Und dennoch hat die Stadt strukturelle Schwierigkeiten. Wir werden mehr ältere Einwohner haben, die Anteil der jüngeren Einwohner wird wohl auch weiterhin relativ sinken. Ein großer Teil der Arbeitsplätze ist im Niedriglohnsektor angesiedelt, dieses Problem wird dann im Alter zu finanziellen Engpässen führen, die die Stadt Hoyerswerda dann im Rahmen der Alterssicherung durch Zuschüsse zu den Wohnkosten ausgleichen muss. Und natürlich muss die Stadt auch ihre Strukturen weiter anpassen, es werden noch weniger Kindergärten und Schulen gebraucht, es müssen mehr Einrichtungen zum selbstbestimmten Leben für ältere Menschen geschaffen werden. Barrierefreihheit wird ein wichtiges Thema sein und dennoch müssen die Familien unterstützt werden, die hier in Hoyerswerda ihr privates Glück und auch die Stadt durch Kinder beglücken wollen. Schon heute zeigt sich, dass es zunehmend schwerer wird, gut gepflegte Kinderspielplätze zu finden. Und was ist mit Jugendlichen? Wie beschäftigt man sie nach der Schule sinnvoll? Das können nicht nur Vereine leisten, weil viele Bevölkerungsschichten solche Organisationsformen schlicht nicht ansprechen.

Damit aus diesem Hoffnungsschimmer auch eine gute Zukunft für die Stadt wird, muss eine Menge getan werden. Nicht nur heute und morgen. Sondern es muss immer und immer wieder um die Einwohner geworben werden. Dabei ist eben auch die Ausweisung von Neubaugebieten auf Abrissflächen in direkter Nähe zu Einkaufszentren, wie derzeit im WK VIII, ein wichtiger Schritt.

3 Kommentare

4 Pings

    • Basil auf 28. Januar 2012 bei 22:10

    Welches ist das Plugin an der Seite ? Das moechte ich auch!

    1. Hallo,

      es handelt sich um das Graphene Theme (ab WordPress 3.1).
      http://www.khairul-syahir.com/wordpress-dev/graphene-theme

      Grüße
      Robert

  1. Interessanter Beitrag „hoyerswerda schrumpft weiter“, statistisch exakt erfaßt, aber leider ist der Grund dieser Entwicklung sehr schwach angeführt.
    Es gibt ja Gründe warum die jungen Menschen aus unserer Region, die seine Reize hat (s.oben anführter Link), sich verabschieden.
    Ich denke es gibt zu wenig. mittelständische Produktionsindustrie (nicht Konsumtionsindutrie), die auch einen angemessenen Verdienst in unserer Reigion sichern. Ob die verantwortlichen Stellen sich diesbezüglich ausreichend bemühen, diese Frage kann sich jeder selber stellen.

  1. […] Blogs erinnern sich bestimmt an einen Beitrag aus dem Jahr 2012, damals hatten wir unter dem Titel „Hoyerswerda schrumpft weiter – nur nicht mehr ganz so stark…“ beschrieben, dass die Horrorvisionen schon jetzt Wirklichkeit sind, dennoch der Trend zum Schrumpfen […]

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