Das Lausitzer Seenland-Festival: HoyWoy’s Millionengrab?

Das Lausitzer Seenland-Festival: HoyWoy's Millionengrab?

Das Lausitzer Seenland-Festival: HoyWoy’s Millionengrab?

 

Was war das für eine Party: Drei toll Tage versprachen die Veranstalter rund um das Team der Lausitzhalle. Und tatsächlich, die Besucher waren begeistert. Wann hat es das schon einmal in Hoyerswerda gegeben? David Guetta, Ich und Ich, OMD, Die Fantastischen Vier, Bob Geldorf (mit den Boomtown Rats) und Die Toten Hosen auf einer Bühne. Ohne Frage, wer da war, hat etwas erlebt. Leider hielt sich die Zahl der Besucher jedoch in engen Grenzen, so dass die, die nicht da waren, nun zu einem Problem werden können – für Hoyerswerda!

Denn nachdem die große Euphorie rund um das Festival verklungen sind, sind nun wieder vermehrt die Stimmen der Vernünftigen zu vernehmen. Zuerst meldete sich die Lausitzer Rundschau am 12 Juli mit einem Beitrag von Alexander Dinger und Daniel Schauff zu Wort.

Ursprünglich hatte der Chef-Veranstalter und Geschäftsführer der Lausitzhalle, Sven Tietze, mit 40 000 Besuchern am Tag gerechnet. Mit der Zeit korrigierte er die Zahlen nach unten. Dass am Ende an drei Tagen nur 18 000 Besucher auf das Festival-Gelände am Partwitzer See (Landkreis Bautzen) strömten, überraschte auch ihn.

Das ist schon die erste große Misere. Statt ursprünglich versprochener 40.000 Besucher täglich, wurden die Planzahlen den enttäuschenden Vorverkaufszahlen angepasst. Und auch das Festivalgelände wurde dann schon etwas kleiner realisiert als ursprünglich angedacht. Doch selbst die sehr bescheidenen bis zu 15.000 Besucher pro Tag wurden nicht geschafft.

Das Landratsamt teilte mit, dass an allen drei Tagen insgesamt nur 18.000 Besucher das Festival bevölkerten. Eine mehr als erschreckend geringe Zahl!

Wie hoch der Verlust sein könnte, dazu wollte die Lausitzer Rundschau besser keine Schätzung abgeben. Es war immerhin von Verlusten in sechsstelliger Höhe die Rede.

Neuen Drive bekommen die Aufklärer aber durch einen Bericht von Mirko Kolodziej – wem auch sonst? – im Hoyerswerdaer Tageblatt (Sächsische Zeitung):

In diesem Gesamt-Zusammenhang steht auch Kritik am von der Lausitzhalle vor knapp zwei Wochen ausgerichteten Seenland-Festival. Stimmt es, dass es vier Millionen Euro gekostet hat? Und wie hoch sind die Erlöse? Selbst wenn theoretisch alle 20000 Besucher die teuersten Normal-Tickets für 120 Euro gekauft hätten, die für alle drei Tage plus einen Zeltplatz galten, würde das im Ergebnis gerade 2,4 Millionen Euro eingebracht haben.

Da kommt schon einmal eine erste Überschlagsrechnung auf den Tisch.

Wir haben auch nachgerechnet. Eine erste Kalkulation lag schon vor Beginn des Festivals vor. Da haben wir die Differenz zwischen den 40.000 Besuchern pro Tag und den nun nur noch 15.000 Besuchern pro Tag errechnet.

Dazu war es jedoch nötig, zunächst den Rohertrag pro verkaufter Eintrittskarte zu errechnen – sprich: Was bleibt pro Ticket wirklich hängen? Vereinfacht dargestellt gibt es drei Kostenblöcke, die de Veranstalter abführen muss: Die Mehrwertsteuer auf das Ticket (Mehrwertsteuerbegünstigt, daher 7%), die Vorverkaufsgebühren (in der Regel zirka 10%) und die Mehrwertsteuer auf die Vorverkaufsgebühren (hier werden volle 19% fällig).

So ergibt sich folgender Rohertrag pro Ticket:

Seenland-Festival 2013 - Kalulation des Rohertrags pro Ticket

Seenland-Festival 2013 – Kalkulation des Rohertrags pro Ticket

Nun lässt sich anhand einer üblichen Verkaufsverteilung der Tickets auch abschätzen, was bei vollem Haus (40.000 Besucher pro Tag) und bei der neuen Kalkulation von 15.000 Besuchern pro Tag einnehmen ließe:

Seenland-Festival 2013 - Kalkulation der Erträge vor dem Festival basierend auf Schätzungen der Veranstalter

Schon hier zeigte sich vor dem Festival eine massive Millionenlücke. Denn mit der ursprünglichen Kalkulation von 40.000 Besuchern pro Tag – nach unserer Rechnung wären das Roherträge von 4,5 Millionen Euro! – sollten nur die Kosten gedeckt werden. So schrieb das Hoyerswerdaer Tageblatt am 27.02.2013:

Denn die Lausitzhallen GmbH ist mit einem Zuschussbedarf von 1,7 Millionen Euro, so Tietze, nach wie vor sehr defizitär. Das Seenland-Festival soll die Verluste nicht noch vergrößern, sondern, so die Hoffnung des Geschäftsführers, mit einer Schwarzen Null abschließen.

Heißt also, dass die Informationen von Mirko Kolodziej, dass das Festival zirka 4 Millionen Euro gekostet hat, in die richtige Richtung weisen, da mit 4,5 Millionen Euro Einnahmen eine „schwarze Null“ kalkuliert war. Nun lief der Vorverkauf relativ schlecht, so dass die ursprüngliche Kalkulation nochmals reduziert wurde. Es wären so kaum mehr als 1,65 Millionen Euro Einnahmen möglich. Sicher lassen sich die Kosten etwas reduzieren, indem man das Festivalgelände verkleinert, weniger Absperrgitter, weniger Toiletten, weniger Personal usw. Doch es gibt noch genügend Fixkosten in der Kalkulation, so dass die tatsächlichen Kosten ziemlich genau bei besagten 4 Millionen Euro gelegen haben könnten. Doch am Ende kamen noch weniger Zuschauer. Insgesamt 18.000 Besucher will das Landratsamt gezählt haben, dabei waren aber schon 1500 Freikarten für Fluthelfer sowie Freikarten für Sponsoren, Partner und Helfer. Sehr, sehr optimistisch gerechnet könnte sich nun folgende Einnahme ergeben:Seenland-Festival 2013 - Kalkulation der Einnahmen nach dem Festival basierend auf Schätzungen des Landratsamtes

 

Aber was bedeutet das nun? Es ergeben sich 3,7 Millionen Euro weniger Einnahmen als ursprünglich kalkuliert. Die tatsächlichen Verluste dürften dennoch etwas niedriger liegen, bei zirka 3 Millionen Euro.

Zu den Kosten und Schlussfolgerungen wollten sich die Verantwortlichen nicht äußern. Gegenüber der Lausitzer Rundschau hieß es so:

Wie Tietze setzt Oberbürgermeister Skora auf die kommenden Tage: „Wir werden das Festival intensiv auswerten“, sagte er.

Beim Hoyerswerdaer Tageblatt gab es folgende Rückmeldung:

Bisher hat sich keiner der Angeschriebenen gemeldet, dafür aber Oberbürgermeister Stefan Skora. Er kündigte eine Pressekonferenz zur Beantwortung der Fragen an. Der Zeitpunkt blieb offen.

Natürlich wird es noch etwas dauern, bis man sich dazu äußern will. Denn noch gibt es die Chance, einige Kosten auf andere Kostenstellen zu buchen. So lassen sich ja die Infrastrukturkosten wie Kosten für Absperrungen, Parkplatzeinrichtung und weiterer organisatorischer Krempel bequem auf die parallel stattfindende Seenland-Messe abwälzen, die hat ja auch einen Teil der Infrastruktur genutzt. Und wenn nun einige Unternehmen, die zum Stadtwerkeverbund der SWH gehören, ganz plötzlich ihr Herz für laute Musik entdecken, dann könnte das Sponsoring seitens der VBH plötzlich einige hunderttausend Euro höher liegen, als ursprünglich vereinbart.

Letztlich kann eine kreative Buchführung in diesem Fall darüber entscheiden, ob das Lausitzer Seenland-Festival als Erfolg gewertet wird oder als Millionengrab. Jeder, der rechnen kann, weiß, dass Millionen Euro verschwendet wurden. Egal, wie man sich das Bild nun schön rechnet. Am Ende bleibt die Frage offen, wie viel uns ein Seenland-Festival wert ist oder wert sein sollte? Eine Million Euro? Zwei Millionen?

Eigentlich ist diese Diskussion eine Steilvorlage für den nahenden Oberbürgermeisterwahlkampf, der einfach nicht in die Gänge kommen will.

1 Kommentar

2 Pings

  1. Wie schon mehrfach öffentlich kommentiert, sowohl im Vorfeld als auch danach, war das finanzielle Ergebnis voraus zu sehen. Die Verantwortlichen haben sicher eine Zielvorstellung gehabt die durchaus akzeptabel war, aber man sollte eben klein anfangen und nicht größenwahnsinnig vorgehen. Nun ist das finanzielle Heulen groß, aber in der gelaufenen Pressekonferenz kein Wort davon, nur Schönrederei. Schade, aber vielleicht ist das eben so „mit anderen Geld läßt sich gut wirtschaften“.
    Mit Sicherheit hätte es anders ausgesehen und wäre realistischer gelaufen, wenn die Verantwortlichen auch eine gewisse materielle Verantwortlichkeit und vor allem eine matrielle Haftung zu übernehmen hätten.
    Ich wünsche mir mehr Realität und hoffe das aus den Fehlern gelernt wird. Herr Tietze hat in derartigen Aktivitäten und seinen fragwürdigen Ergebnissen ja Erfahrung. Das wußten aber auch alle anderen Verantwortlichen.

    D. Degner

  1. […] Umsetzung mag sicherlich das Desaster der Lausitzhalle gewesen sein, die nicht nur durch das Lausitzer Seenland Festival Millionenverluste eingefahren hatte. In einem ausführlichen Bericht hätten hier konkrete Zahlen ermittelt werden […]

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