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Where is the love? NPD macht Landtagswahlkampf in Hoyerswerda – und die „anständigen“ Bürger?

Aufruf zur Demonstration auf dem Lausitzer Platz - natürlich ganz neutral, überparteilich und lokal in Hoyerswerda erdacht? Nein: es ist eine NPD-Wahlkampfveranstaltung!

Aufruf zur Demonstration auf dem Lausitzer Platz – natürlich ganz neutral, überparteilich und lokal in Hoyerswerda erdacht? Nein: es ist eine NPD-Wahlkampfveranstaltung!

Am Donnerstag wollen sich die „anständigen“ Bürger unserer Stadt dann endlich mal Gehör verschaffen. Schon seit über die Einrichtung eines Asylbewerberheimes in Hoyerswerda diskutiert wurde, hieß es unisono: Dagegen müssten wir demonstrieren. Hätte, Könnte, Müsste – wie das so ist, ganz so wichtig war das dann eben doch nicht. Aber es gibt da einen Mitspieler in dem menschenverachtenden Spiel, der ganz andere Interessen verfolgt und doch hier den Helfer in der Not mimt: Die sächsische NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands).

Jahrelang war der Landesverband Sachsen die einzig starke Bastion der Partei, stellte mit Holger Apfel sogar den Bundesvorsitz, bis böse Gerüchte über ihn in Umlauf gesetzt wurden. Es gab Politiker, die darauf sehr souverän reagiert haben und dadurch nicht nur Sympathien, sondern auch Wahlen gewonnen haben. Das ist bei einer besonders konservativen bürgerlichen Partei aber etwas anders. Apfel musste gehen und mit ihm ging es abwärts in der Wählergunst bei den sogenannten Sonntagsfragen. Zuletzt schien die Zahl der potentiellen NPD-Wähler auf nur noch 1% geschrumpft. Grund genug, den Wahlkampf nicht als Wahlkampf, sondern als Kampf unter dem Motto „Heimat schützen – Asylmißbrauch bekämpfen!“ Denn das Thema Ausländer und Asylbewerber ist wohl noch das einzige Kernthema der NPD, bei der ihr die Alternative für Deutschland (AfD) nicht so dicht im Nacken sitzt – die Emporkömmlinge konnten mit ihrem versteckten National-Rassismus laut Umfragen schon 7% der Sachsen überzeugen.

Die Anti-Asyl-Tour macht in dieser Woche Station an insgesamt elf Standorten, am Donnerstag ist Hoyerswerda an der Reihe. Von 10 Uhr bis 13 Uhr soll dazu eine Kundgebung auf dem Lausitzer Platz stattfinden, übrigens parallel zum dort stattfindenden Wochenmarkt – die Markthändler und Läden im Lausitz-Center werden begeistert sein!

Donnerstag ist doch auch Markt - "lassen wir uns überraschen..."

Donnerstag ist doch auch Markt – „lassen wir uns überraschen…“

Wobei diese Begeisterung ja auch auf Seiten der „anständigen“ Deutschen geteilt wird: Auf den Einwurf, dass zur gleichen Zeit ja auch Markt wäre, kommt zur Antwort „lassen wir uns überraschen…“ und just an diesem Wochenende wurde ein Stromverteiler, der für den Marktbetrieb benötigt wird, gewaltsam beschädigt, wie die Polizei meldet:

 

Stromverteilerkasten beschädigt

Hoyerswerda. Lausitzer Platz
15.03.2014, 20:00 Uhr

Eine aufmerksame Bürgerin teilt der Polizei mit, dass in Hoyerswerda, auf dem Lausitzer Platz ein Stromverteilerkasten offen steht. Unbekannte Täter hatten hier die Flügeltüren gewaltsam herausgerissen und entwendet. Dieser Verteiler wird durch Gewerbetreibende auf dem Wochenmarkt genutzt. Der entstandene Schaden beträgt ca. 500 Euro.

Die geplante Demonstration der NPD wird stattfinden und es wird mächtig Werbung dafür betrieben. Auch von der angeblich so freien „Nein zum Heim“-Seite auf Facebook. Über 2000 Facebook-Nutzern „gefällt“ diese Seite, die meisten sind aber aktive Kader fremden- und menschenfeindlicher Organisationen. Und dennoch tummeln sich hier auch einige hundert Hoyerswerdsche, die aus Überzeugung, aus Hass, aus Ahnungslosigkeit oder auch purer Dummheit diese Seite unterstützen. Konstruktive Kritik am Asylbewerberheim in Hoyerswerda geschieht hier jedenfalls nicht, sondern ausschließlich plumpe, menschenverachtende Propaganda durch die üblichen Verdächtigen von NPD, über höchst demagogische „News-Seiten“ wie Politically Incorrect oder die NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ bis hin zu Hetze anderer „Nein-zum-Heim“-Seiten. Auch, wenn durch ein neues Seiten-Logo versucht wurde, optisch vom Eindruck der NPD-Seite wegzukommen: Die Inhalte verraten die wahren Ziele.

Auf der Nein zum Heim-Seite für Hoyerswerda finden sich zahlreiche Wahlwerbungen für die NPD. So frei und überparteilich ist die Seite gar nicht. Es ist eine plumpe NPD-Propaganda-Veranstaltung!

Auf der Nein zum Heim-Seite für Hoyerswerda finden sich zahlreiche Wahlwerbungen für die NPD. So frei und überparteilich ist die Seite gar nicht. Es ist eine plumpe NPD-Propaganda-Veranstaltung!

Die NPD-Demo im Herzen unserer Stadt wird wieder Wunden reißen. Zum einen werden Medien vor Ort sein und bereitwillig zeigen, wie herzlich willkommen Gäste in unserer Urlaubsregion im Lausitzer Seenland sind, wenn es nach den zugereisten NPD-Kadern geht. Die Fähigkeit, diese Demo richtig einzuschätzen, wird in der Schublade „Hoyerswerda 1991“ stecken bleiben. Es wird der übliche 50-Mann-Mob auf dem Lausitzer Platz stehen, der dann der Mehrheit verklickern will, dass man selbst die Mehrheit sei. Und viele Bürger werden sich heimlich denken: Recht haben sie. Denn die Medienhetze gegen Asylbewerber und Ausländer wird seit einigen Monaten bevorzugt von Publikationen des Axel-Springer-Verlages wieder auf Hochtouren betrieben:

So hetzt unter anderem die BILD-Zeitung gegen Ausländer und Asylbewerber.

So hetzt unter anderem die BILD-Zeitung gegen Ausländer und Asylbewerber.

Das alles erinnert sehr fatal an die Stimmung aus dem Jahr 1991, als böse Übergriffe auf Ausländer in Deutschland an der Tagesordnung waren:

Wobei... so neu ist das Muster nicht. 1991 wurde die Stimmung in Deutschland auf die gleiche Weise angeheizt!

Wobei… so neu ist das Muster nicht. 1991 wurde die Stimmung in Deutschland auf die gleiche Weise angeheizt!

Hoyerswerda wurde zum Fanal und gleichzeitig zum Symbol. Eine Rolle, die Hoyerswerda nie so ganz ablegen konnte. Und nun wollen ewig Gestrige unsere Stadt wieder vereinnahmen für ihren Wahlkampf?

Die Veranstaltung ist bereits beim Landratsamt Bautzen angemeldet worden und sie wird im Rahmen des grundgesetzlichen Rechtes auch durchgeführt werden. Es ist jedem Bürger frei gestellt, sich ganz „neutral“ von den Veranstaltern „informieren“ zu lassen oder an der Demonstration teil zu nehmen. Es darf sich aber keine rausreden und behaupten, er wolle ja nur mal gucken. Wer zu dieser Demonstration geht, unterstützt billige Ausländerhetze, Menschenfeindlichkeit und Arroganz. Dumm und doch das gute Recht eines Jeden. Wer jedoch für seine Heimatstadt etwas Gutes tun will, der unterstützt diese Hetze und Agitation nicht.

Eine große Demonstration trauen sich die NPD-Leute in Hoyerswerda aber nicht zu, da das Mobilisierungspotential offensichtlich nicht allzu hoch ist. Am Wochenende standen zirka 250 „anständige“ Bürger der sogenannten „Bürgerinitiative“ gegen Asylmissbrauch in Bautzen bei, während zirka 1000 Gegendemonstranten im gesamten Stadtgebiet friedlich gegen die platten Parolen demonstrierten. Es ist der NPD bei dieser Veranstaltung – anders als noch im vergangenen Jahr in Schneeberg – nicht gelungen, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen, es fanden sich die üblichen „Verdächtigen“ unter den Demonstranten, Bautzner Bürger waren kaum dabei. Und das wird auch das Kalkül bei der jetzigen Anti-Asyl-Tour sein: Man will Gegenveranstaltungen aus dem Weg gehen und die normalen Menschen nicht bedrohlichen Aufmärschen die Wahlentscheidung verkomplizieren. Die Idee scheint zu sein, dass unter der Woche kaum Gegendemonstranten erschein werden, die müssen ja auch arbeiten. Daher gehen die Demos nur von Montag bis Donnerstag, Freitag wäre die Gefahr, dass Widerspruch aufkommt, zu groß.

Was aber, wenn nun plötzlich in Hoyerswerda doch viele Menschen den Nazis den Weg zur Versammlung versperren? Fahren sie dann einfach weiter zum nächsten Ort? Oder lassen sie ihrem Hass auf alles Andere freien Lauf? So wie die regelmäßigen nächtlichen laustarken „Ausländer Raus“-Rufe am Asylbewerberheim?

Wer Menschen in Not keine Hilfe gönnt, sie bedroht, sie aus der Stadt und am Besten aus ganz Deutschland verjagen will, dem fehlt es an Empathie, an Nächstenliebe.

Where is the love?

 

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